Am 8./9. Mai 1976 fand in Aarau die erste Schweizer Künstlerbörse statt. So schliesst sich mit der kommenden Ausgabe vom 15.-18. April 2026 in Thun der Kreis: Die Schweizer Künstler*innenbörse wird 50 Jahre alt!
Oder sagen wir es so: Mindestens 50 Jahre alt.
Denn bereits ab Anfang der 1970er-Jahre wurden ähnliche Veranstaltungen in Bern und Biel durchgeführt, die jährlich im Sinne einer «Kulturmarktplatzes» Künstler*innen und Veranstaltende der Kleinkunst zusammenbrachten.
Organisiert wurden diese von der Schweizer Kleintheatervereinigung ktv, die seit 1966 als lockerer Verbund betrieben wurde. Im Protokoll der Versammlung vom 1. Juli 1967 steht sinngemäss: «Zusammensetzung: Möglichst einfach. Keine Statuten!»
Ein paar Jahre später wurde die ktv dann doch konkret formiert und professionalisiert. Im September 1975 gab es eine Gründungsversammlung in Biel, begleitet mit einem zweitätigen Minifestival, dass bereits die DNA der heutigen Künstler*innenbörse in sich trug. Am 13. Dezember 1975 wurde die ktv offziell als juristischer Verein mit Sitz und Geschäftsstelle in Biel gegründet.
Von nun an vertrat die nun rechtlich gefestigte Organisation rechtlich gefestigt die Interessen der Künstler*innen und Kleintheatern, insbesondere im Bereich der Kleinkunst. Orientiert wurden die Mitglieder mit dem «Bulletin», dass jährlich 5x erschien. Im ersten von Anfang 1976 wird die Künstlerbörse in Aarau angekündigt, zusammen mit der Bemerkung: «An dieser nächsten Künstlerbörse soll die Frage diskutiert werden, ob diese Veranstaltung noch sinnvoll sei».
So wurde die Schweizer Künstlerbörse 1976 in Aarau die erste, die der neuformierte Verband organisierte. Und zum Glück nicht die letzte.
In der Anfangszeit fand die Künstlerbörse einmal pro Jahr statt, und als Wanderbörse: Durchgeführt wurde sie an verschiedenen Orten und in verschiedenen Landesteilen der Schweiz.
Ab 1983 erhöhte sich die Kadenz der Austragungen. Um jährlich in mehreren Landesteilen präsent zu sein, wurden bis 1998 jeweils zwei Künstlerbörsen pro Jahr durchgeführt – eine im Frühjahr und eine im Herbst – und meistens in zwei verschiedenen Sprachregionen.
1993 feierte die Künstlerbörse in Thun ihre Premiere. Sie war gekommen, um zu bleiben: Thun setzte sich im Rennen gehen Zofingen durch und wurde zum fixen Austragungsort der Veranstaltung. Ab 1999 auch der alleinige, denn die Zweitausgaben wurden eingestellt, der Fokus auf eine mehrtägige Austragung pro Jahr gelegt.
So fand die Schweizer Künstlerbörse den Weg ins neue Jahrtausend. Von der Geschäftsstelle der KTV ATP* in Biel orchestriert, schaffte sie am festen Austragungsort Thun den Spagat zwischen einflussreichem Branchenanlass und populärer Publikumsveranstaltung. Ganze Karrieren wurden durch einen einzigen Kurzauftritt in Thun in Gang gesetzt, erfolgreiche Karrieren wiederum gebührend geehrt. So wurde von 1993 bis 2020 der Goldene Thunfisch, später benannt als Schweizer Kleinkunstpreis, verliehen, sowie von 2001 bis 2014 der Schweizer Innovationspreis.
2005 feierte die Schweizer Künstlerbörse das 30-Jahr-Jubliäum – ein Geburtstag, der sich auf die Gründung der ktv und dem dabei ausgetragenen Minifestival in Biel berief. Aufgrund mehrfacher jährlicher Austragungen zwischen 1983 und 1998 konnte 2009 die 50. Ausgabe zelebriert werden, 2019 die 60. Ausgabe.
Das Jahr zuvor fusionierte die KTV ATP mit dem Verband ACT zu unserem heutigen Verband t. Theaterschaffen Schweiz, der seither die Schweizer Künstler*innenbörse organisiert. Dies gestaltete sich in den ersten Jahren nicht einfach: Die Covid-19-Pandemie verhinderte die Ausgabe 2020 und zwang das Organisationsteam, die Ausgabe 2021 digital durchzuführen.
Diesen schwierigen Start ins Jahrzehnt hat die «Börse» hinter sich gelassen. Nun freuen wir uns, das grosse Jubiläum in Thun zu feiern: 50 Jahre Schweizer Künstler*innenbörse!
*KTV ATP stand für:
Vereinigung KünstlerInnen – Theater – VeranstalterInnen, Schweiz
Association artistes – théâtres – promotion, Suisse
Associazione artisti – teatri – promozione, Svizzera