Das Mobile der Schweizer Künstlerbörse

Was Sie noch sagen wollten – und was wir daraus gemacht haben. Ihre Ideen – unsere Antworten.

Was hat mich an der Schweizer Künstlerbörse berührt, geärgert, gefreut, verwirrt…? Welche Perlen gab es zu entdecken und was war überhaupt nicht gelungen? Was trägt dazu bei, dass ich alle Jahre wieder dabei bin, und was müsste sich verbessern? Die Schweizer Künstlerbörse lebt von den Auftritten der Künstlerinnen und Künstler, aber auch von den Reaktionen des Publikums.Egal ob Kleinkunst-Fan, Agentin, Veranstalter oder Künstlerin: Das Team der Schweizer Künstlerbörse interessiert sich für die Meinung und Haltung der Menschen vor, auf und hinter der Bühne. «Was ich noch sagen wollte…» ist ein spielerischer Dialog über alles, was zum verzweigten Räderwerk der Künstlerbörse gehört.

Freitag bis Sonntag im Foyer Schadau, Ausgang Piazza

Konzept und Installation: Antoine Zivelonghi

Ihre Feedbacks letztes Jahr waren zahlreich, ungeschönt, erfrischend und ehrlich. Wir nehmen sie ernst und halten unser Wort: Die Rückmeldungen haben uns Anregungen geliefert, welche in die diesjährige Ausgabe der Künstlerbörse einfliessen. Wo wir nichts ändern können, haben wir gute Gründe. Hier eine Auswahl der häufigsten Anregungen und (nach einem Klick auf das +) unsere Antworten darauf:

1. Wir wünschen uns mehr Neues, Aussergewöhnliches! Und weshalb ist eigentlich der Musikanteil im Programm so hoch?

Rund 180 Bewerbungen sind dieses Jahr eingetroffen. Die Aufgabe der Auswahlkommission besteht darin, aus diesen Bewerbungen ein ausgewogenes Programm zusammenzustellen, das inhaltlichen und formalen Qualitätskriterien, aber auch den technischen und finanziellen Bedingungen der Veranstalter/innen entspricht. Zusätzlich wird bei der Auswahl der Produktionen darauf geachtet, dass zwischen den Bühnengenres, zwischen Nachwuchs und etablierten Künstler/innen, zwischen nationalen und internationalen Künstler/innen und zwischen bewährten und experimentellen Formen eine Balance besteht. Bei der Vielfalt der Genres ist es schwierig, alle Vorlieben ausreichend zu bedienen. Schlussendlich basiert das Programm der Schweizer Künstlerbörse auf den eingegangenen Bewerbungen. Wir können also zum Beispiel keine experimentellen Clownnummern auf die Bühne zaubern, wenn diese sich gar nicht beworben haben.

2. Es hat etwas viele französische Produktionen. Es wäre besser, wenn diese im Programm zusammengenommen würden.

Die Schweizer Künstlerbörse ist ein gesamtschweizerischer Anlass. Sie soll dazu beitragen, die sprachregionalen Grenzen, in denen sich das Theaterschaffen in der Schweiz abspielt, zu durchbrechen und so zum nationalen Zusammenhalt beizutragen. Der Anteil der französischsprachigen Produktionen im Programm ist 25% und entspricht dem französischsprachigen Sprachanteil in der Schweiz. Die deutschsprachigen und italienischsprachigen Produktionen machen entsprechend 65% bzw. 10% aus. Einen grossen „Gump“ über den Sprachgraben empfehlen wir wärmstens. Auf der anderen Seite ist viel Spannendes zu entdecken, darunter immer auch einige nonverbale Produktionen! Die franko- und italophonen Produktionen sind bereits jetzt konzentriert am Samstag und Sonntagmorgen programmiert.

3. Bitte überdenkt das Konzept des Formats 10 x 10. Die Qualität lässt zu wünschen übrig.

10 x 10 ist eine Wundertüte, die immer wieder für Überraschungen sorgt. Bei diesem Format hat Fortuna das Sagen: Die gezeigten Produktionen basieren auf einem Losentscheid. Jede Bewerbung hat somit die gleiche Teilnahmechance. Es ist uns bewusst, dass das Format 10 x 10 polarisiert. Wir sind jedoch grundsätzlich überzeugt von dieser offenen Bühne, die neuen und unbekannten Talenten und in Entwicklung befindlichen Produktionen eine Plattform bietet. Einigen hat sie schon als Sprungbrett für eine Bühnenkarriere gedient. Qualität und Professionalität sind uns aber auch ein grosses Anliegen. Wir machen uns deshalb Gedanken, wie diese in Zukunft gesteigert werden kann.

4. So cool, die Late Night Bar. Aber leider wird’s gar nicht late… Bitte bis 4 Uhr!

Ja, die Schweizer Künstlerbörse Börse ist auch dazu da, bei einem Bier oder einem Glas Wein ereignisreiche Tage ausklingen zu lassen und dabei das Tanzbein zu schwingen! Nach reiflicher Überlegung sind wir zum Schluss gekommen, dass es nicht unverantwortlich ist, die Late Night Bar erst um 3 Uhr zu schliessen: Tanzen also nicht bis zum Morgengrauen, aber doch immerhin länger als auch schon. Lasst die Party beginnen!

5. Weshalb kann die letzte Vorstellung nicht früher beginnen, damit es mit ÖV noch an den Bahnhof reicht?

Die Schweizer Künstlerbörse ist ein komplexes Räderwerk, das in drei Tagen eine geballte Ladung von Produktionen aus dem In- und Ausland präsentiert. Damit alles ineinandergreift, ist einen strenger technischer Fahrplan wichtig. Um die technische Qualität dieses dichten Programms zu ermöglichen, braucht es eine hochprofessionelle technische Equipe, die von 8 Uhr morgens bis um Mitternacht pausenlos im Einsatz ist. Vor jedem Block gibt es eine entsprechende technische Vorbereitungszeit, in der die Technik eingerichtet und Absprachen zwischen Künstler/innen und Techniker getroffen werden. Der Zeitplan lässt sich nicht noch weiter straffen, so dass der letzte Block am Freitag und Samstag erst um Mitternacht endet.

6. Die Essensvielfalt ist zu klein, bitte mehr Kreatives!

Die Künstlerbörse mit ihren unregelmässigen Stoss- und Leerzeiten ist für unser Gastroangebot eine grosse Herausforderung. Unsere Gastropartner bemühen sich um ansprechende Verpflegungsmöglichkeiten und sprechen sich untereinander ab. Wir haben den Ruf nach mehr kulinarischer Vielfalt gehört und unser kulinarisches Angebot dieses Jahr erweitert. Uns läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen!

7. Eine Ruhezone bei so viel Eindrücken würde gut tun.

Das KKThun platzt räumlich während der Künstlerbörse aus allen Nähten, es gibt deshalb wenig Kapazitäten für Ruhezonen. Die Arena im Lachensaal Ost bietet Sitzgelegenheiten. Sie können genutzt werden, wenn dort gerade kein Programm läuft. Allen Ruhsuchenden empfehlen wir ausserdem wärmstens den Thunersee und das Programm in der Kirche Scherzligen – in sakralem, ruhigem Ambiente und ganz abseits vom allgemeinen Börsentrubel ist es der perfekte Ort zum Entspannen!

Auch in diesem Jahr sind Ihre konstruktiven, ungeschönten und kritischen Feedbacks gefragt. Schreiben Sie uns spontan Ihre Eindrücke, Gedanken und Ideen, sei es zum Programmangebot, zur Organisation, zur Gastronomie, zur Exposition, zur Atmosphäre – das Mobile im Foyer Schadau wird damit zum Stimmungsbarometer. Alle Rückmeldungen fliessen in die Auswertung der diesjährigen Schweizer Künstlerbörse und die Planung der nächsten Ausgaben ein!